#OiPolloiWon

Wir dokumentieren hier eine Reaktion auf einen unserer Texte. Die folgenden Zeilen stammen nicht von uns und geben nicht unsere Meinung wieder.







#OiPolloiWon

Uns ist soeben, inmitten der heißen Phase der Vorbereitungen, ein leider äußerst berechenbarer Text namens "Oi Polloi - Israelhass ist kein Antifaschismus" in die Hände gefallen, der uns dafür angreift, die Band Oi Polloi auf unser diesjähriges Festival eingeladen zu haben. Diesen unterstellen die Autor*innen Antisemitismus und Israelhass im Zusammenhang mit verschiedenen Äußerungen zum Nahostkonflikt. Solche und damit verknüpfte Vorwürfe gegen Oi Polloi wurden und werden im deutschsprachigen Raum seit etwa 15 Jahren immer wieder erhoben. Die Band hat in zahlreichen Interviews und Statements teils sehr ausführlich Stellung dazu bezogen.

Da wir gerade eigentlich damit beschäftigt sind, Betten zu beziehen und die Meierei herzurichten, können wir selbst an dieser Stelle nicht ausführlich auf den besagten Text eingehen. Wir möchten allen Interessierten, denen die seit 35 Jahren in Wort und Tat klar antifaschistisch positionierte Band vielleicht unbekannt ist, jedoch die Möglichkeit geben, sich mit der politischen Haltung von Oi Polloi auseinanderzusetzen, ohne durch zusammengewürfelte Zitatfragmente und deren fragwürdige Interpretationen irregeleitet zu werden. Wir empfehlen stattdessen die umfangreichen Erwiderungen der Band auf solche in regelmäßigen Abständen reproduzierten Angriffe und dokumentieren deshalb ein Interview, das bereits 2009 innerhalb derselben Debatte im Umfeld der KTS Freiburg entstand. Hier sollte deutlich werden, dass das in dem genannten Text konstruierte Bild haltlos ist und als doch recht billige Hetze zurückgewiesen werden muss.

Abschließend werden in dem Text auch wir als Veranstaltende direkt angesprochen und gefragt, was wir denn in Anbetracht solcher Einladungen für einen Antifaschismus vertreten würden. Nun gut - in aller Kürze würden wir unseren Antifaschismus als einen aus anarchistischen und kommunistischen Analysen, Alltagserfahrungen und historischem Bewusstsein abgeleiteten militanten Abwehrkampf gegen rechte Tendenzen diverser Ausprägungen auf der Straße und in den Köpfen charakterisieren, der weder territorial noch geistig an deutschen Grenzen Halt macht. Insofern schätzen wir den solidarischen, bewusstseinserweiternden Austausch mit unseren internationalen Genoss*innen sehr und legen von daher Wert darauf, politisch fundierte und diskussionsfreudige Bands wie Oi Polloi in unseren Räumen auftreten zu lassen.

Dass dabei - in alle Richtungen - durchaus fruchtbare Reflexionsprozesse über international unterschiedlich geführte Debatten in Gang gesetzt werden können zeigt etwa das von den Autor*innen als weiterer Nachweis unserer angeblichen Schwäche für "Israelhasser*innen" genannte Beispiel der Band Protestera aus Göteborg, die von uns wiederholt und voller Überzeugung veranstaltetet wurde. Deren hier angeführte und in der Tat untragbare Textzeile "Burn Israel burn" verschwand schon vor fast eineinhalb Jahrzehnten aus ihrem Repertoire, nachdem die Band dafür während einer Tour kritisiert wurde und sich anschließend ausdrücklich politisch davon distanzierte.

Eins noch, bevor wir uns wieder der Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende zuwenden: Wer uns respektive Oi Polloi implizit unterstellt, wir würden "von Ausrottung und von Gaskammern träumen" (so ein dem Text vorangestelltes Zitat), hat offenbar jeglichen Sinn für die Realitäten, die uns umgeben, verloren. Jetzt mal unter uns: Ist das Euer Ernst?

Wir wünschen uns und Euch ein inspirierendes Fest in respektvoller und solidarischer Atmosphäre, mit Oi Polloi und allen anderen großartigen Genoss*innen auf und vor der Bühne.


Interview mit Oi Polloi 2009



Fire and Flames Kollektiv, 30.9.2016

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