Hedonismus Welcome

Hedonismus Welcome: The Prequel

Folgend veröffentlichen wir die E-Mail, die von uns vor der Veranstaltung an die Demo-Orga geschickt wurde. Leider kam es darauf zu keiner Reaktion. Die von uns geäußerte Kritik war bzw. ist zu jedem Zeitpunkt konstruktiv gemeint.


Ahoi liebe alle,

wir, die Gruppe ich-krieg-zustände haben uns bei der Vorbereitung / Einstimmung auf den Refugees-Welcome-Rave einige Fragen gestellt. Weil wir es sinnvoller finden, sie nicht nur uns zu stellen bekommt ihr diese Mail. Und ja, uns ist sehr bewusst wie viel Arbeit und Nervkram die Organisation einer Veranstaltung macht und das dabei immer viele Dinge absichtlich oder unabsichtlich liegen bleiben (vermutlich auch: zwangsläufig liegen bleiben müssen).

  • Gibt es einen EA? (Wie wird die Nummer bekannt gegeben? Zettel mit mehreren Sprachen? Durchsagen? Vorher? Wird erklärt was ein EA ist? Wenn nein: warum gibt es keinen?)

  • Gibt es auf der Demo besonderes geschützte Räume für POC, Menschen mit ungesichertem AufenthaltsStatus, queere menschen, Frauen, TransPersonen, usw.? (Wenn ja, wie wird das kommuniziert? Wenn nein, wie wird das kommuniziert?)

  • Da es sich um einen „Rave“ handelt - wird das Thema Drogen und der Umgang damit während der Demo angesprochen? Gibt es ein Konzept, wie mensch mit Menschen umgeht die durch ihr Verhalten andere gefährden/belästigen?

  • Wie ist der charakter der Demo ausgelegt? Welche Aktionsformen werden begrüszt, welche unterbunden? Wie wird das im Vorweg kommuniziert? Wird es unangekündigte Pyro geben? Kann/will mensch das im Vorweg fördern/verhindern? Wen könnte solche Aktionen gefährden/nutzen?

  • Gibt es Menschen die sich als Awarness-Gruppe verstehen? Ansprechpersonen? Wie sind die gekennzeichnet?

  • Wie wird mit dem GefahrenPotenzail der Demo umgegangen? (Dunkel, laut, unübersichtlich.)

  • Wie ist es mit der Barrierefreiheit? Ist die Demostrecke z.B. für Menschen geeignet die sich per Rollstuhl fortbewegen, im Dunkeln schlecht (oder überhaupt nicht) sehen, Kinder dabei haben, …? Wie wird das kommuniziert?

  • Wie wird kommuniziert für wen die Demo nicht geeignet ist?

  • Wie wird kommuniziert, wen die Demo ausschlieszt? Und warum?

  • Wie lang dauert die Demo etwa? Wird das angekündigt? Ist die Demoroute allen bekannt?

  • In welchen Sprachen werden all diese Dinge besprochen?

Ihr erreicht uns unter: ichkriegzustaende@gmx.de

Mit solidarischen Grüszen,
eure ich-krieg-zustände.


Raven gegen die rassistische Flüchtlingspolitik

Die Situation von Menschen ohne Papiere, die rassistischen Gesetze in Deutschland und der Protest gegen die europäische Asylpolitik. All diese Gründe wurden in Kiel gestern Abend zum Anlass für einen „Refugees Welcome Rave“ genommen. Im Mittelpunkt stand dabei jedoch etwas ganz anderes: der Hedonismus der vornehmlich weißen und gesellschaftlich privilegierten Teilnehmer_innen.

Um den politischen Aspekt dennoch nicht ganz zu vernachlässigen, ging die Route an der Ausländerbehörde sowie mehreren Parteibüros vorbei. Vor den Räumen von AfD, SPD und Grünen wurden jeweils Audiobeiträge abgespielt, während die auf dem Weg liegende Parteizentrale der Linken unkommentiert blieb, obwohl diese durch ihre Beteiligung an der parlamentarischen Demokratie die Entscheidungen der bürgerlichen Parteien, beispielsweise beim Winterabschiebestopp, mitträgt. Immerhin wurde wenigstens das Parteibüro der AfD mit Aufklebern verziert und das Sicherheitsgefühl der anwesenden Politiker_innen kurzfristig beeinträchtigt. Diese konnten sich jedoch auf den Einsatz der Polizei und die Autoritätshörigkeit der Organisator_innen verlassen. So wurden jene Menschen, die Ihren Unmut gegen die Rechtspopulist_innen kundtun wollten, von den Ordner_innen zum weitergehen aufgefordert. Auch die Chance, auf die Rolle des benachbarten Hotel Consul, dessen Räume von der AfD genutzt werden, aufmerksam zu machen, blieb ungenutzt.

Dieses Verhalten entsprach vollkommen dem Gesamtkonzept der Veranstaltung, bei dem Anschlussfähigkeit zur obersten Prämisse erhoben wurde. Um ein breites gesellschaftliches Bündnis von der Interventionistischen Linken bis zum Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität Kiel zu erreichen, ist dies wahrscheinlich auch notwendig. Gesellschaftliche Veränderungen sind auf einem solchen Weg jedoch kaum zu erwarten.

Hinzu kommt die unreflektierte Vorbereitung seitens der Organisator_innen. So gab es weder geschützte Räume für POCs oder Asylsuchenden noch einen EA. Lediglich am Anfang über Lautsprecher durchzusagen, dass Menschen auf sich und einander aufpassen sollen, kann hierfür nicht als akzeptable Alternative gewertet werden. Für den Spaß von tanzenden Menschen mit gesichertem Aufenthaltsstatus ist dies auch nicht nötig. Auf die Bedürfnisse von POCs oder Asylsuchenden einzugehen, kann davon nur ablenken.